Aus dem ganzen Bundesgebiet haben sich OMAS GEGEN RECHTS zusammengetan, um ihre Wünsche an die Politik heranzutragen.
Hier ist unser Wunschzettel:
VIELFALT, MENSCHENWÜRDE, GERECHTIGKEIT, VERANTWORTUNG, TEILHABE, SOLIDARITÄT
Aus dem ganzen Bundesgebiet haben sich OMAS GEGEN RECHTS zusammengetan, um ihre Wünsche an die Politik heranzutragen.
Hier ist unser Wunschzettel:
Bei strahlendem Sonnenschein beteiligten sich Kieler OMAS an der Aktion am 1. Adventssonntag am Landeshaus.
Hier der Bericht von OMA Sabine K-S.:
Auch in Kiel ist die bundesweite Initiative „AFD Verbot jetzt“ (www.afd-verbot.jetzt) aktiv, unterstützt durch den
Die Sonne schien und so waren viele Spazierende an der Kiellinie unterwegs, die z.B. durch die Klänge und Sprechgesänge der Trommelgruppe RoR „Rhythms of Resistance, Kiel“ und das lautstarke Mittun der Unterstützer*innen vor Ort auf die Veranstaltung aufmerksam wurden.
Zwei Vortragende berichteten zum Thema. OMA Liane, die in Ihrer Rede (zum Nachlesen nach unten scrollen) u.a. den allgemeinen Meinungsumschwung in der Verbotsfrage deutlich gemacht hat.
Thomas Jung, Rechtsanwalt und Notar aus Kiel hat berichtet, dass 17 Verfassungs-rechtler*innen durchaus an den Erfolg eines AFD Verbotes glauben. Dies haben sie entsprechend juristisch belegt.
Die Zeit wird knapp um bei den Abgeordneten des Bundestags um Zustimmung zum AFD Verbot zu werben. Im Internet finden sich diverse Petitionen dazu, die man unterzeichnen kann. Oder es kann durch Schreiben einer Mail an die/den jeweilige/n Abgeordnete/n geschehen. Oder aber – wie am Sonntag vorm Landeshaus – durch Schreiben von Postkarten.
Abgesehen vom Hoffen und Daumendrücken, was nie schadet, kann jede und jeder so noch aktiv dazu beitragen.
Moin, ich bin Liane und engagiere mich bei den Omas gegen Rechts in Kiel und Preetz mit dem Ziel die parlamentarische Demokratie in Deutschland zu stärken, damit es für uns und unsere Kinder und Enkel auch weiterhin eine demokratische Zukunft gibt.
Noch vor einem Jahr war auch ich dafür sich mit der AFD vor allem politisch auseinander zu setzen. Inzwischen haben wir alle erleben müssen, wie etablierte demokratische Parteien sich nicht nur von der AFD vor sich her treiben lassen, (Migration als die Wurzel allen Übels), sondern auch noch eins drauf setzen, mit der Wortschöpfung: irreguläre Migration. Kein Mensch ist illegal! Geflüchtete Menschen, Queers, Jüdinnen,People of Colour fühlen sich inzwischen bei uns nicht mehr sicher. Einige überlegen, ob sie das Land verlassen sollten.
Schauen wir uns doch diese Partei noch einmal genauer an: Stichwerkzeuge auf AFD-Wahlkampf-veranstaltungen, Initiierung von Jugendkampfsportgruppen. Gab es das nicht schon einmal? Gezielt zieht diese Partei mit ihren Anhänger:innen aufs Land, betreibt dort Haß und Hetze gegen demokratische Strukturen, zerschlägt funktionierende Dorfgemeinschaften, baut dort militante Gruppen auf und schürt die Angst. Gewöhnung an rechtsextreme Propaganda schleicht sich auf vielen Ebenen unserer Gesellschaft ein- auch in Gemeindevertretungen. Ein Beispiel nur: die kürzlich wegen des Verdachts auf Brandstiftung und Wahlfälschung festgenommenen Mitglieder der Freien Sachsen, der/die in einem Ortschafts Rat mitgearbeitet hatten.
Engagierte Menschen, Politiker:innen werden bedroht und legen deshalb ihre Ämter nieder.Wir brauchen genau solche Menschen, die sich engagiert für konkrete Veränderungen und Verbesserungen in Politik und Gesellschaft einsetzen und sich aktiv gegen die AFD positionieren.
Was muss noch alles passieren, ehe wir das Heft des Handelns wieder in die Hand nehmen?
Mit ihren Umsturz-, ihren Remigrationsplänen und dass sie eigentlich gegen Demokratie ist, geht die AfD inzwischen öffentlich spazieren.
Die Geschichte hat uns gelehrt wie schnell eine Partei auch mit „nur“ einer Eindrittelmehrheit die Demokratie außer Kraft setzen kann. Die AFD ist schon jetzt eine Bedrohung für das Leben aller, die nicht in ihr Weltbild passen. Einmal an die Macht gekommen, kann sie ihre Angriffe auf die Demokratie so verankern, dass sie nur schwierig wieder rückgängig gemacht werden können.
Das Privileg der Parteienfreiheit darf nicht missbraucht werden, um die Freiheit anderer zu zerstören. Das Parteienverbot ist kein Gedanken – sondern ein Organisationsverbot und steht, wie wir heute feststellen müssen, leider aus „gutem Grund“, in unserem Grundgesetz. Mit jedem Tag finanzieren wir eine extrem rechte Kaderschmiede und stellen Ihnen öffentliche Orte zur Verfügung. Steuergelder finanzieren die menschenverachtende Politik der AFD und die Abschaffung der Demokratie.
Das ist verrückt!
Im Februar sind Bundetagswahlen. Ich erwarte von den demokratischen Parteien, dass diese Zeit für eine politische Wende genutzt wird. Ich erwarte eine soziale, solidarisch gerechte Politik, eine Politik, die der Klimakatastrophe planvoll begegnet. Manchmal reibe ich mir die Augen und denke nur noch: „gehts noch?“ Ich erlebe die Vorbereitung auf personenbezogene Wahlkämpfe statt konkreter inhaltlicher Auseinandersetzung. Die Gefahren eines weiteren Rechtsrucks werden aus meiner Sicht völlig ausgeblendet.
Das positive ist, wir können was tun! Mischen wir uns wieder stärker ein, wie zu Beginn des Jahres als Tausende auf die Straße gingen. Schauen Sie sich die Webseite „AFD-Verbot Jetzt“ an, da sind weitere Argumente sachlich aufgeschlüsselt! Unterstützen Sie uns und machen Sie mit – JETZT. Schreiben Sie Politiker:Innen an und fordern Sie sie dazu auf, den Antrag auf die Einleitung eines Verbotverfahrens gegen die AFD zu unterstützen. Für ein Leben in Freiheit und Würde für alle! Machen wir wieder eine breite Bewegung daraus!
Vielen Dank dass ich hier sprechen durfte.
Liane Junge
607 Euro – über diesen schönen Betrag freuen sich nicht nur die OMAS GEGEN RECHTS, sondern auch der Verein Groschendreher e.V.
Viele OMAS GEGEN RECHTS in Kiel und Umgebung hatten liebevoll Wichtelpakete gepackt. Trotz ungemütlichen Wetters hatten die OMAS Marion, Susanne, Renate, Christa und noch ein paar andere vor dem Laden der Bäckerei Glüsing in Schönberg ihren Stand aufgebaut.
Schnell fanden die meisten der bunten Paketchen ein neues Zuhause, der Spendentopf füllte sich schnell, und die OMAS durften sich wieder einmal über viel Zuspruch und Ermutigung freuen.
Die OMAS sagen „danke“ – für die vielen liebevoll verpackten Geschenke, an die Bäckerei Glüsing für die freundliche Aufnahme am Laden und die nette Versorgung mit Kaffee und Toilette und vor allem natürlich an die vielen Spenderinnen und Spender, die sich hoffentlich über den Inhalt ihres Päckchens freuen.
Ein paar Päckchen sind noch über – wer also noch ein Wichtelpaket haben möchte, oder eine Kleinigkeit zum Nikolaus oder zu Weihnachten sucht:: Am 30.11.24 ab 10:00 veranstaltet der CSD Kiel e.V. in der Pumpe einen „queeren Flohmarkt“ – auch die OMAS werden wieder dabei sein – mit Wichtelpaketen und Flohmarktartikeln.
Unsere Demokratie ist bedroht – das Getöse von rechts außen wird lauter und droht, die Stimmen der Toleranz, des Respekts und der Menschlichkeit zu übertönen. Das Schlimme ist, dass sich auch Parteien, die sich eigentlich christlich nennen oder demokratisch, in die Kakophonie aus Hass Vorurteilen einstimmen.
Überall tun sich Menschen zusammen, um gegen den Rechtsruck der Politik laut zu werden. Wir haben hier ein paar Titel zusammengestellt, die Tipps zum Handeln geben, Argumente für Debatten und wichtiges Wissen.
Übrigens: Die kleinen, inhabergeführten Buchhandlungen in dieser Stadt freuen sich, wenn Ihr Literatur, die Euch interessiert, dort kauft oder bestellt – in den allermeisten Fällen ist das gewünschte Buch am nächsten Tag im Laden. Einfach mal ausprobieren:
Bollwein, Thomas Rechtsextremismus Was ist das und was können wir dagegen tun?
978-3-96488-217-2
Die Zivilgesellschaft wehrt sich gegen Rechtsextreme
Die Entstehung von rechten Einstellungen und Verschwörungsideologien
Handlungsfelder und Strategien der extremen Rechten, Vorurteile als Nährboden
Wie kann man Rechtsextreme erkennen?
Argumente gegen rechtsextreme Äußerungen vor Ort
Betriebliche Gegenstrategien und Strategien im Netz
Rechtsextremismus und Einwanderungsgesellschaft
Recherche- und Aufklärungsarbeit
Was die Politik von der Zivilgesellschaft lernen muss
100 Karten über Rechtsextremismus KATAPULT (Redaktion) / Correctiv (Redaktion)
Das Ziel des Rechtsextremismus ist es, mit einer menschenverachtenden Ideologie bis in die Mitte der Gesellschaft zu dringen. Dieser Kampf um die Mitte war nach 1945 für Rechtsextreme aussichtslos. Die DVU ist damit gescheitert. Auch die NPD blieb eine Partei ohne Kontakt zur Mitte. Heute aber sieht die Sache anders aus. PEGIDA und AfD haben geschafft,
wovon DVU und NPD nur träumten. Sie dienen als Brücke zwischen dem Extremen und der Masse. Das Phänomen beschränkt sich nicht nur auf Deutschland. Auch anderen Ländern geht es ähnlich. Diese 100 Karten dienen der Aufklärung – dem Verstehen, was Rechtsextremismus im Kern ausmacht
Daniel Mullis Der Aufstieg der Rechten in Krisenzeiten. Die Regression der Mitte
Warum sind rechte und rechtsextreme Bewegungen in Krisenzeiten so erfolgreich? Mit welchen Strategien überzeugen sie die Mehrheit davon, dass die Verteidigung der eigenen Privilegien wichtiger ist als Solidarität oder Verzicht? Der Sozialwissenschaftler Daniel Mullis untersucht, für welche Botschaften die gesellschaftliche Mitte empfänglich ist. In zahlreichen Gesprächen arbeitet er die bundesdeutsche Befindlichkeit unserer Gegenwart heraus. Und er fragt danach, wie progressive Politik in unsicheren Zeiten gelingen kann.
»Dieses Buch ist Ergebnis meiner Bemühungen zu verstehen, was in der Mitte der Gesellschaft passiert ist, dass die Rechte derart erstarken konnte … Wir gingen den sozialen Dynamiken, Konflikten und Glückserwartungen nach, in deren Gefüge sich der Aufstieg der Rechten vollzog und weiter vollzieht. Dabei fokussierten wir bewusst auf die sogenannte Mitte und befragten Menschen aller politischen Couleurs. Was zutage trat und was ich hier als Regression der Mitte beschreiben werde, beunruhigt mich zutiefst, zumal klar wurde, wie stark das rechte Rauschen die Gesellschaft mittlerweile durchzieht.«
Hendrik Cremer Je länger wir schweigen, desto mehr Mut werden wir brauchen
Hendrik Cremer arbeitet beim Deutschen Institut für Menschenrechte. Zu seinen langjährigen Arbeitsschwerpunkten gehören Rassismus und Rechtsextremismus. Er studierte Jura und war anwaltlich in den Bereichen Aufenthalts- und Sozialrecht tätig. Er ist Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen und war wiederholt im Bundestag und in Landtagen als Sachverständiger geladen. Er lebt in Berlin.
Arne Semsrott Machtübernahme Was passiert, wenn Rechtsextremisten regieren |
Eine Anleitung zum Widerstand
Arne Semsrott, geboren 1988 in Hamburg, ist Politikwissenschaftler und Aktivist. Er leitet das Recherche- und Transparenzportal FragDenStaat, mit dem er u. a. für die Veröffentlichung der „NSU-Akten“ sorgte. Zudem war er Mitinitiator von Hochschulwatch und OpenSCHUFA und gründete den Freiheitsfonds. Semsrott schreibt u. a. für den fluter, netzpolitik.org und Le Monde diplomatique und ist zweifacher Träger des Otto Brenner Preises für kritischen Journalismus.
Tymothy Snyder Über Tyrannei 20 Lektionen zum Widerstand
Wir sind nicht klüger als die Menschen, die erlebt haben, wie überall in Europa die Demokratie unterging und Faschismus, Nationalsozialismus und Kommunismus kamen. Aber einen Vorteil haben wir. Wir können aus ihren Erfahrungen lernen.
„Leiste keinen vorauseilenden Gehorsam.“ So lautet die erste von 20 Lektionen für den Widerstand, mit denen Timothy Snyder die Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika vorbereitet auf das, was gestern noch unvorstellbar zu sein schien: einen Präsidenten, der das Gesicht der Demokratie verstümmelt und eine rechtsradikale Tyrannei errichtet.
Doch nicht nur in den USA sind Populismus und autoritäres Führertum auf dem Vormarsch. Auch in Europa rückt die Gefahr von rechts immer näher – als ob es das 20. Jahrhundert und seine blutigen Lehren niemals gegeben hätte. Snyders historische Lektionen, die international Aufsehen erregt haben, sind ein Leitfaden für alle, die jetzt handeln wollen – und nicht erst, wenn es zu spät ist. Lektion 8: „Setze ein Zeichen.“ Dieses Buch tut es. Tun Sie es auch.
Unsere Mitstreiterinnen, die die phantastische Seite OMAS GEGEN RECHTS Nord betreuen, haben bereits eine ansehnliche Sammlung von Liedern zusammengestellt. Texte (und Noten) findet Ihr hier:
Druckvorlagen für Flyer, Buttons, Keksstempel und alles, was sonst noch so gebraucht wird – die geniale Nord Website macht die Suche leicht:
Ein Beitrag von OMA Hanne
Unser Stadtteil leuchtet am 9. November
erinnerte auch in diesem Jahr an die Nazi-Pogrome des 9.November 1938. Neben den Mahnwachen an den Stolpersteinen gab es auch Rundgänge zu den Stolpersteinen in Kiel. Etwa 30 Menschen beteiligten sich am Rundgang, der am Blücherplatz begann und dessen Führung die OMAS-GEGEN-RECHTS übernommen hatten.
Mehr als 100.000 Stolpersteine (ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig), die die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus lebendig halten sollen, liegen mittlerweile in Deutschland und Europa in mehr als 700 Städten.
Jeder Stein erinnert an einen Menschen, der von den Nationalsozialisten ermordet wurde. Sie sind jeweils am letzten frei gewählten Wohnort des Opfers verlegt.
Die Opfer der Nationalsozialisten waren jüdische Bürger, Sinti und Sintezza, Roma und Romnji, politische Gegner*innen, Homosexuelle, Zeugen Jehovas, Opfer der sogenannten Euthanasie aber auch Menschen ohne festen Wohnsitz, Prostituierte und andere, die als sog. Asoziale kriminalisiert wurden.
Die Stolpersteine dieser Kieler*innen wurden besucht:
Isidor Blumenthal (*1985) zog mit seiner Frau Irma, geb. Cahn (*1887) und der vierjährigen Tochter Lieselotte 1916 nach Kiel. Sie waren Mitglieder der Israelitischen Gemeinde Kiel – eine liberale Gemeinde.
Isidor Blumenthal war Ingenieur seit 1919 Prokurist bei der Firma Neufeldt und Kuhnke, dem späteren Hagenuk. Außerdem war er Inhaber des Elektrogeschäfts „Elektro- und Radiobetrieb Elra, Radio Kiel“. Die Tochter Lieselotte war dort zunächst Geschäftsführerin, später Eigentümerin des Geschäftes in der Kehdenstraße. Die Familie war angesehen und wohlsituiert.
Nach 1933 allerdings verschlechterte sich die Situation der Familie, sie verspürten die Ächtung und Missachtung durch die Nationalsozialisten. 1935 verliert Isidor Blumenthal dann seine Stelle bei Neufeldt und Kuhnke und arbeitet bei der Tochter in der Kehdenstraße mit. Dieses Geschäft verlieren sie dann im Rahmen der „Arisierung“.
1940 verlässt das Ehepaar Kiel nach Friedberg, dem Geburtsort von Irma. Die Tochter Lieselotte plant ihre Emigration nach Palästina und bereitet sich darauf vor. Die Auswanderung gelingt ihr nicht.
Stattdessen findet die Familie 1941 im sogenannten „Judenhaus“ in Hamburg wieder zusammen – einer Sammelstelle für die Deportation. Alle drei werden am 8.11.1941 mit 1004 anderen Jüdinnen und Juden über 1500 km nach Minsk deportiert. In Minsk wurden davor 12-13000 Menschen ermordet, um Platz für die „reichsdeutschen Juden“ zu schaffen. Dort stirbt die Familie in Folge der unmenschlichen Lebens- und Arbeitsbedingungen im Lager.
Kurz vor der anstehenden Deportation der Tochter nahmen sich Wilhelm Ludwig, Elisabeth Margarethe und Tochter Vera Bruck am 9. Juli 1942 das Leben. Sie wurden auf dem Kieler Urnenfriedhof begraben.
Wilhelm Spiegel Kiel, Forstweg 42
Wilhelm Spiegel wurde 1876 in Gelsenkirchen geboren. Als Sohn einer aufstrebenden deutsch-jüdischen Kaufmannsfamilie studierte er in München, Berlin und Kiel Jura. 1905 ließ er sich in Kiel als Rechtsanwalt nieder. Er heiratete die Niederländerin Emma Loeb, mit der er drei Kinder bekam. 1910 bezogen Spiegels die Backsteinvilla im Forstweg 42.
Wilhelm Spiegel zeichnete sich durch ein vielfaches Engagement aus. Von 1919-1922 war er Mitglied des Preußischen Staatsrates, von 1911-1933 war er SPD-Stadtverordneter (teilweise auch Vorsitzender) 1, er war stellvertretender Vorsitzender der israelitischen Gemeinde in Kiel, einer der führenden Vertreter der Kieler Arbeiterschaft im Kapp-Putsch. Sein anwaltliches Engagement galt auch denen, die es in der wilhelminischen und der späteren Weimarer Gesellschaft nicht leicht hatten.
Sein letztes großes Mandat 1932 – ein Verfahren gegen Kurts Wurbs, den Chefredakteur der sozialdemokratischen „Schleswig-Holsteinischen Volkszeitung“ machte ihn überregional bekannt. Er lud den Kläger Adolf Hitler als Zeugen.
40 Tage nach der Machtübertragung an Hitler, mitten in der Nacht vor den Kieler Kommunalwahlen, verlangten zwei Fremde, einer von ihnen wohl in SA- oder SS-Uniform, Zutritt zur Villa Forstweg 42.
Ein Schuss traf Wilhelm Spiegel in den Kopf. Die Täter flohen. Spiegel starb, Opfer eines Attentats. Ein politischer Hintergrund dieses Mordes wurde nicht einmal im März 1933 bezweifelt.
Bei seiner Beerdigung standen Tausende von Arbeitern Spalier.
Die Ermittlungen gegen die Täter wurden nie ernsthaft geführt. Spiegels Familie konnte sich in die Niederlande retten. Emma Spiegel starb dort 1935. Den beiden jüngsten Kindern wurde 1959 jeweils 1470 DM Entschädigung für den Mord an ihrem Vater zugestanden.
Die Familie Adler war eine alteingesessene Kieler Kaufmannsfamilie. Max Adler wurde 1881 in Kiel geboren und lebte seit 1919 bis Ende 1935 in der Feldstr. 55a. Das Haus war Eigentum der Familie Adler.
Seine Frau Ida, geborene Einhorn wurde 1885 in Hamburg geboren. 1908 trat sie in die jüdische Gemeinde ein. Max Adler und Ida hatten vier Kinder: Erika, Ruth, Lotti und Carl-Heinz.
Zeitweise war Max Adler Inhaber eines Pelzwarengeschäfts in der Holstenstraße, das nach seiner Frau „Einhorn“ hieß. In der Zeit der Weltwirtschaftskrise verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage der Familie. Max, Ida und Lotti Adler zogen 1935 nach Hamburg in die Grindelallee.
Dort wurden Max, seine Frau Ida und die Töchter Erika und Lotti Opfer der Deportation vom 8. November 1941 in das Ghetto von Minsk. Zehn Tage später wurde auch die Tochter Ruth zusammen mit ihrem Mann Siegmund Fiebelmann und dem zweieinhalbjährigen Sohn Dan nach Minsk deportiert.
Einzig Carl-Heinz (*1917) konnte sein Leben retten. 1939 emigrierte er nach Shanghai und von dort 1947 weiter in die USA
Die Texte wurden auf Grundlage der Recherchen, die von Kieler Schüler*innen durchgeführt wurden, erstellt. Weitere Informationen zu Stolpersteinen finden sich in der App „Stolpersteine SH“
Ein Bericht von OMA Stefanie – vielen Dank auch an OMA Manuela !
Auf Einladung der Grünen-Bundestagsabgeordneten Luise Amtsberg waren einige der Kieler OMAS GEGEN RECHTS vom 7. bis 9. November ’24 auf eine politische Bildungsreise nach Berlin; veranstaltet und organisiert wurde die Fahrt vom Bundespresseamt (BPA) und dem Wahlkreisbüro von Frau Amtsberg. So wurde uns ab Kiel mit Noah Dico ein Begleiter zur Seite gestellt, in Berlin kam noch Markus dazu, ein Mitarbeiter des BPA als lokaler Guide. Martin sprudelte nur so vor Wissen und war nur schwer zu bremsen, uns alle möglichen Informationen zu vermitteln.
Unser erster Termin am Donnerstag im Bundesministerium für Gesundheit hatte das Gesundheitswesen der Bundesrepublik zum Thema. Wie kompliziert die Zusammenhänge und die Arbeitsweisen der Gesundheitsämter sind, wurde durch den Vortrag der Referentin sehr deutlich.
Danach stand der Besuch des Jüdischen Museums auf dem Plan: schon durch seine Architektur und erst recht durch seine Ausstellung ein zutiefst nachdenklich und demütig machendes Erlebnis. Mit einem gemeinsamen Abendessen im Hotel ging der erste Tag dazu Ende.
Erster Programmpunkt am Freitag war das Treffen mit Luise Amtsberg im Bundestag. Beim Sicherheitscheck am Eingang gab es einen kleinen Schreck: Unsere Besuchergruppe war nicht auf der Liste zu finden, und wir mussten eine Weile warten, bis das Missverständnis aufgeklärt war; bei der Übermittlung war für unsere Gruppe eine falsche Uhrzeit eingetragen worden. . Letztlich durften wir dann doch vollständig und mit OMA Button hinein. Nach dem sehr interessanten Gespräch mit Luise Amtsberg, das natürlich vom tagesaktuellen Geschehen geprägt war, konnten wir sogar noch für eine halbe Stunde auf die Besuchertribüne und die Debatte zu Neuwahlen live beobachten. Die Disziplin der Abgeordneten im Saal ließ teilweise allerdings zu wünschen übrig. Und live ist die AfD noch schrecklicher als im Fernsehen.
Dann ging es auch schon weiter zum Mittagessen am Bahnhof Friedrichstraße. Anschließend wurden wir in zwei Gruppen aufgeteilt und durften unter kundiger Führung die Hauptstadt erkunden.
Trotz ungemütlicher Temperaturen hielten wir durch, erfuhren viel Neues und gelangten schließlich zu unserer letzten Station: Der Ausstellung „Topographie des Terrors“. Auf dem ehemaligen Gelände des“Reichssicherheitshauptamts“ zeigt die Ausstellung die Geschichte der staatlichen Sicherheitsorgane wie Gestapo und SS von den Anfängen bis zur Nachkriegszeit. Viele Zeitdokumente und Fotos machen auch diese Ausstellung sehr eindringlich. Besonders aufwühlend, dass viele Parolen sich heute im Vokabular der Rechten wiederfinden lassen. Diese Ausstellung ist jedem ans Herz zu legen, auch wenn sie einen mit einem Kloß im Hals wieder entlässt. Diese Eindrücke wirken noch lange nach!
Am Abreisetag war eigentlich noch ein Besuch in der Bernauer Straße in der dortigen Gedenkstätte geplant; wegen des offiziellen Staatsaktes zum 35. Jahrestag mussten wir uns jedoch damit begnügen statt der Gedenkstätte den Bundespräsidenten aus der Ferne zu sehen.
Ein letztes Mittagessen in Berlin war der Abschluss einer mental anstrengenden Reise mit vielen nachdenklichen Momenten, viel Information aber auch mit Vergnügen. Ein großer Dank nochmal an unseren Busfahrer Emre, an unsere Begleiter Noah und Markus und alle, die unsere Reise zu einem Erfolg gemacht haben.
Der Flüchtligsrat Schleswig-Holstein, Flüchtlingsrat Berlin und der Afghanische Stammtisch S-H veranstalten gemeinsam eine dreiteilige Online-Veranstaltung rund um das Thema Afghanistan.
Frauen in Afghanistan: Unsichtbar und rechtlos?
07.11.2024 18-20 Uhr Online
Seit der Machtübernahme der Taliban im August 2021 erlebt Afghanistan eine dramatische gesellschaftliche und politische Wende. Besonders Frauen, Mädchen und die LGBTG Community sind von den Maßnahmen betroffen, die ihre grundlegenden Rechte und Freiheiten einschränken. Mädchen dürfen nicht mehr die Schule besuchen und Frauen dürfen nicht mehr arbeiten, selbst die weibliche Stimme darf in der Öffentlichkeit nicht mehr gehört werden. Auch vor körperlicher Gewalt machen die Taliban keinen Halt: bereits mehrfach wurden Menschen wegen Homosexualität ausgepeitscht. Doch was bedeuten diese Verbote für Frauen in ihrem Alltag? Wie bestreiten sie ihren Lebensunterhalt? Wie sieht der Alltag für afghanische Frauen unter der Gender-Apartheid aus? Gibt es in Afghanistan noch Protestbewegungen und was wünschen sich afghanische Frauen von der Weltöffentlichkeit?
Referentinnen: Shikiba Babori (Buchautorin und Journalistin) und Farangis Sawgand (Frauenaktivistin und ehemalige Abgeordnete in Afghanistan)
Anmeldung unter https://eveeno.com/104150064
Abschiebungen: Kooperation mit den Taliban?
21.11. 2024 18-20 Uhr Online
Am 30.08.2024 erfolgte zum ersten Mal seit der Machtübernahme der Taliban ein Abschiebeflug aus Deutschland nach Afghanistan. Seitdem wird in Deutschland eine hitzige Debatte über Abschiebungen geführt. Diese Veranstaltung widmet sich der komplexen Thematik der Abschiebung nach Afghanistan und der aktuellen indirekten Kontaktaufnahme mit den Taliban. Da es sich um Straftäter handelte, blieb der Aufschrei in der Mehrheitsgesellschaft in Deutschland aus. Doch Menschenrechtsorganisationen und Afghan*innen sind in Sorge, dass die durchgeführte Abschiebung der Anfang einer Anerkennung des Taliban-Regimes bedeuten könnte. Die Taliban halten sich nicht an völkerrechtliche Verpflichtungen. Dennoch haben sie ein Interesse daran, ihren Status in der internationalen Gemeinschaft zu normalisieren und anerkannt zu werden. Hieran darf sich Deutschland nicht beteiligen.
Referenten: Dr. Alema Alema (Pro Asyl und ehemalige stellvertretende Friedensministerin in Afghanistan)
Anmeldung unter https://eveeno.com/291710128
Deutschlands Verantwortung: Anspruch und Realität
05.12. 2024 18-20 Uhr Online
Von 2001 bis 2021 war die Bundeswehr am Einsatz in Afghanistan beteiligt. Sie verließ bei der Übernahme der Taliban überstürzt das Land. Die Situation von Ortskräften in Afghanistan ist seit der Machtübernahme der Taliban dramatisch angespannt. Viele, die während des Einsatzes internationaler Truppen für die Bundeswehr oder andere westliche Organisationen gearbeitet haben, sind nun Ziel von Repressalien und Gewalt, weil sie als Verbündete des Westens wahrgenommen werden. Das Bundesaufnahmeprogramms für besonders gefährdete Afghan*innen stagniert derweil. Statt der versprochenen 1000 Menschen pro Monat sind gerade einmal 533 Personen über das Bundes-aufnahmeprogramm eingereist (Stand Juli 2024). Der Haushaltsentwurf des Bundes für 2025 sieht zusätzlich eine 90%ige Kürzung des Programms vor.
Referenten: Nicolas Chevreux (AWO), NN Patenschaftsnetzwerk Ortskräfte
Anmeldung unter https://eveeno.com/350406086
Information: Lara Massó und Muathe Abdu, Projekt Schleswig-Holstein Ahoi!, sh-ahoi[at]frsh.de
Veranstaltende: Projekt Schleswig-Holstein Ahoi! beim Flüchtlingsrat SH, Afghanischer Stammtisch SH, Flüchtlingsrat Berlin
Eine Stellungnahme von Liane Junge aus Preetz
Auch wenn wir, wie der Wind bei uns im Norden, durchaus auch ein wenig schwanken, so haben wir uns doch entschlossen die Kampagne AFD-Verbot JETZT zu unterstützen.
Uns treibt das Gefühl an, einfach nichts zu versäumen, was in dieser Situation getan werden kann, auch wenn es eine höchst repressive Maßnahme ist. Dabei ist uns vor allem wichtig, den politischen Diskurs in unserer Gesellschaft voranzubringen, wachzurütteln und erneut zu entfachen. Medien, etablierte Parteien und viele andere agieren aus unserer Sicht nicht nur viel zu lasch, sondern betätigen sich regelrecht als Steigbügelhalter,indem sie u.a. Sprache und Forderungen übernehmen.
In kleinen Gemeinden haben wir erlebt, wie schnell es passiert, dass AFD Vertreter:Innen sich einnisten, jede Schwäche der etablierten demokratischen Partien ausnutzen – und auf der Straße dann umso radikaler agieren. Die Nachrichten, dass und wie sich die AFD ideologisch und praktisch, aufrüstet häufen sich ( Hass, Hetze, Drohungen gegen engagierte Menschen,Verteilen von Stichwerkzeugen während einer Wahlkampfveranstaltung, Bildung von Kampfsportgruppen usw.). Hass und Rassismus werden legitimiert.Wenn andere Mittel versagen, müssen wir auch ein Parteiverbot in Erwägung ziehen. Das Privileg der Parteienfreiheit darf nicht missbraucht werden, um die Freiheit anderer zu zerstören. Das Parteienverbot ist kein Gedanken – sondern ein Organisationsverbot und steht, wie wir heute feststellen müssen, leider aus „gutem Grund“, in unserem Grundgesetz.
Für die OMAS GEGEN RECHTS Preetz
Liane Junge
Veranstaltung zur Kampagne AFD Verbot Jetzt am 12.11.2024 , 19.00 h, in Kiel in der Pumpe.