Der blinde Passagier

Mehrere Monate zeigte das Schauspielhaus in Kiel Maria Lazars beklemmend aktuelles Stück „Der Blinde Passagier“. Maria Lazar, eine österreichische Jüdin, schrieb das Stück 1938/39 im dänischen Exil. Es ist ein Stück über Flucht, Zivilcourage und moralische Verantwortung und wurde 2025 erstmals aufgeführt. Beklemmend aktuell sind die im Stück aufgeworfenen Probleme. Kurz entschlossen schrieben OMAS GEGEN RECHTS der Arbeitsgruppe „Migration“ einen Flyer, der die Aktualität dieses Stücks verdeutlicht. Achtmal standen OMAS GEGEN RECHTS vor dem Schauspielhaus und stießen dabei auf großes Interesser der Theaterbesucher*innen. Dabei verteilten sie etwa 1200 Flyer.

Die verteilten Flyer stießen auf großes Interesse.

 

Plötzlich sind sie weg

Die Würde des Menschen ist unantastbar – Und plötzlich fehlen Nachbarn und Freund:innen

Gerne und häufig verkündet Innenminister Dobrindt die gestiegene Zahl von Abschiebungen in seiner Amtszeit als Erfolg.

2025 gab es fast ein Fünftel mehr Abschiebungen als im Vorjahr und immer häufiger treffen die Maßnahmen gut integrierte Geflüchtete und Familien mit Kindern. Allein zwischen Januar und September 2025 waren 17,3 Prozent der Abgeschobenen minderjährig.

Dabei wird immer wieder betont, dass das Kindeswohl vor allem Vorrang haben müsste. Auch unsere Landesregierung hält daran fest, kann aber keine Aussage dazu machen, unter welchen Bedingungen und aus welchen Situationen Kinder und Jugendliche abgeschoben wurden. Den Internationalen Tag des Kindes am 1. Juni nahmen OMAS GEGEN RECHTS zum Anlass bei unserer Mahnwache daran zu erinnern, dass die Rechte der UN-Kinderrechtskonvention für alle Kinder gelten, eben auch für Flüchtlingskinder.

Wir forderten, dass Minderjährige mit ihren Familien nicht abgeschoben werden dürfen. Das Anliegen stieß auf großen Zuspruch. Schon nach einer Stunde waren alle Flyer an Passant*innen verteilt.

OMAS im Kieler Stadtbild

Seit ein paar Monaten schon sind die Kieler OMAS im Stadtbild präsent: Jeden Dienstag steht eine Mahnwache vor dem neuen Rathaus; die beiden Arbeitsgruppen Klimapolitik und Migration wechseln sich ab. Für Passantinnen und Passanten dürften Sie schon bald ein vertrauter Anblick sein.

Samstags findet man die OMAS am Asmus-Bremer-Platz, wo sie zu „Kaffee mit OMA“ und Gesprächen einladen.

Wie ist für die, die mitmachen? Wir haben ein paar Eindrücke und Erlebnisse gesammelt:

Ute P. Die Resonanz ist noch positiver als vermutet. Viele Menschen lächeln wohlwollend, teilweise kommen sie auf uns zu und finden unseren Einsatz sehr lobenswert. Auch gibt es immer wieder Interessierte Menschen, die gerne bei den OgR mitmachen möchten.Natürlich kommen gelegentlich Pöbler vorbei, aber diese Leute erinnern uns dann immer daran, weshalb wir dort stehen. Ein schöner Nebeneffekt besteht darin, dass die Omas während der Mahnwache Zeit zum Klönen haben und sich auch mal privat austauschen und besser kennenlernen können. Das schafft Zusammenhalt.

Ulrich H. Bei den beiden ersten Mahnwache /Kaffee war ich unsicher, was Passanten, Flugblätter und Oma Westen betraf. Es stellte sich heraus, dass es zum Teil positive Reaktionen, zum Teil Desinteresse, und auch negativeStimmen gab. Mit der Zeit und der Gewöhnung der Passanten an uns, wurden die positiven Reaktionen mehr. Ich möchte am liebsten kritische Fragen, von mir aus auch von Oma Gegnern haben. Mit Gepöbel und Drohungen kann ich umgehen, das sind geistig arme Mitmenschen. Am häufigsten waren einfach nur nach oben gestreckte Daumen und freundliches Lächeln

Christiane S. Zum Thema „Kaffee mit Oma“: ich hab bis jetzt erst eine pöbelige Erfahrung gemacht. Ansonsten macht es Spaß, die Menschen nett anzusprechen und meistens bekommen wir positive Reaktionen. Es hilft, den Leuten ein kleines Samentütchen in die Hand zu drücken für eine blühende Demokratie und dann kommt man manchmal ins Gespräch. Sehr erstaunlich finde ich, wie viele Leute uns unterstützen wollen, in dem sie etwas spenden. Manche machen einfach im Vorbeigehen den Daumen hoch und auch das motiviert uns. Insgesamt ein Format, dass nur Spaß und die OMAS sichtbar macht und mit wenig Aufwand verbunden ist, dadurch dass wir die Sachen im Heimathafen lagern können

Sabine Bo Beim „Kaffee mit OMA“ fällt mir die positive Resonanz auf. Manche, oft jüngere, kommen nur zur Spendendose um etwas zu geben und haben den Daumen oben.Manche sagen :“ macht weiter so“. Teilweise wurde unser Spendendöschen gut gefüllt. Mein Grundgefühl ist Zustimmung und dass man uns kennt. Manche kommen auf uns zu und möchten reden. Wir bieten dazu eine Gelegenheit. Ablehnung hab‘ ich selten bemerkt.

 

Manuela:Ich war am letzten Samstag seit langem mal wieder bei „Kaffee mit Oma“ dabei.Ich spreche gerne Menschen direkt an und erlebe dann sehr unterschiedliche Reaktionen. Letzten Samstag waren viele Leute mit Deutschland-Equipment (Blumenkette, Cappy,…) in der Stadt unterwegs, da in der Merkur Ostseehalle ein WM Dartsturnier statt fand.Zuerst sprach ich einen Mann an. Ich bot ihm Kaffee und Gespräch an, und er schien interessiert daran, wer die OMAS GEGEN RECHTS sind. 

Als wir auf die Politik unserer aktuellen Regierung zu sprechen kamen, waren wir uns noch einig (nicht wirklich zufrieden). Doch dann kamen von dem Mann Äußerungen, die ich als eindeutig „rechts“ einordne. Es waren Sätze wie „es muss mal aufgeräumt werden, wir haben viel zu viele ILLEGALE Ausländer, deshalb steigt die Kriminalitätsrate…“. Auf meine Argumente, dass es nicht illegal sei Asyl zu beantragen, und dass die Kriminalitätsstatistik andere Aussagen geben, ging er nicht ein. Als dann seine Partnerin dazu kam, wurde es noch etwas krasser. Jedenfalls wurde ganz offen das „Remigrationskonzept“ befürwortet.

Dieses Gespräch hat mich sowohl wütend als auch traurig gemacht. Denn solche Aussagen höre ich seit ca. einem Jahr immer häufiger. Viele Leute sind nicht wirklich informiert, haben die „Ausländer“ für sich als Schuldige identifiziert. Wenn dann noch Aussagen dazu kommen, die 1:1 von der AfD stammen, dann sind diese Leute nicht mehr erreichbar…

Ich habe auch noch schöne Gespräche gehabt. Aber ein wie zuvor beschriebenes Gespräch findet immer häufiger statt. Und das macht mir Angst. Aber es treibt mich auch an, weiter das Gespräch zu suchen.

Erstes SH OMA-Regionalgruppentreffen in Kiel am 13.06.2026

Sie kamen aus Uetersen, sie kamen aus Flensburg,
sie kamen aus Nordfriesland, sie kamen aus Ostholstein – eben von überall her in Schleswig-Holstein! Vierzig OMAS und ein OPA waren da – aus 20 von 25 SH Regionalgruppen.

OMAs und ein OPA aus 20 SH Regionalgruppen

Die Idee zum Treffen kam beim NORD-OMA-Treffen in Heideruh im Herbst 2025 auf: da wir immer mehr werden, wäre es schön, sich in den jeweiligen Bundesländern ebenfalls regional zu vernetzen.

Gesagt, getan – im Februar verschickten wir OMAS aus Kiel ein „Save the date“ für den 13. Juni 2026. Für diesen Tag war es uns gelungen, den Raum der AWO neben der „Räucherei“ in Kiel zu bekommen.

Unser Gruppenraum in der AWO Kiel

Die Tagesordnung fürs allererste Treffen ergab sich quasi von selbst: Kennenlernen und Austausch von Ideen, aber auch die Beantwortung von Fragen sollte im Zentrum des Treffens stehen.

Alle sind engagiert dabei
Dörte Schnell, eine der Gründerinnen der Nord-OMAS

Als dann auch noch klar wurde, dass
Dörte Schnell, eine der Nord-OMA-Gründerinnen zur Begrüßung und Begleitung der Veranstaltung dazu kommen würde, war die Freude groß. Sie hat uns allen nochmal die Gründungshintergründe, die OMA-Grundsätze und allgemein Wissenswertes rund um die OMAS berichten und entsprechende Fragen dazu beantworten können.

 

Viele reisten auch etwas früher an, so dass es doch auch Zeit gab, sich persönlich untereinander kennen zu lernen; zusätzlich zur  Vorstellungsrunde und der „Geselligen Mittagspause“.

Als Beispiel für viele andere Bastelideen: „Die Demokratie-Maus“ mit Verweis auf die Seite „Sendung mit der Maus“ – „Demokratie“

Alle OMAS waren aufgefordert, ihre
ideenreichen Basteleien oder Flyer alsMuster mit zum Treffen zu bringen. Es machte viel Spaß zu entdecken, welche vielfältigen – zum Teil witzigen Ideen – es doch gibt, um unser Hauptthema „Einstehen für die Demokratie“ unter die Leute zu bringen. Das Allerschönste daran ist die gegenseitige Großzügigkeit im Umgang mit den eigenen Ideen und Objekten – nach dem Motto: „Das Rad muss ja nicht neu erfunden werden“!

 

 

Die verbleibende Zeit am Nachmittag
unterteilte sich in zwei Themenabschnitte
über die Erfahrungen ausgetauscht und zu denen aber auch Fragen gestellt wurden:
1. Vorbereitung der Landtagswahlen in SH im April 2027 und
2. „AFD Verbot Jetzt“ und „Prüf-Demos“.

 

 

Wir wollen uns in Zukunft nach dem Vorbild der NORD-OMAS regelmäßig wieder treffen. Das nächste Treffen ist für den November 2026 geplant, rechtzeitig vor der Landtagswahl in Schleswig-Holstein, so dass wir dazu weitere konkrete Ideen entwickeln und uns eventuell sogar zu gemeinsamen Aktionen verabreden können.

Ein ganz wichtiger weiterer Aspekt, sich mit Gleichgesinnten im gegenseitigen Austausch zu stärken und für die kommenden Herausforderungen Energie zu tanken, wurde auf jeden Fall erfüllt!

Nochmal ein herzliches Dankeschön an alle, die gekommen sind.

(Sabine K-S fürs ORGA-Team der OGR Kiel)

Europa – selbstverständlich?

Auf Einladung der Europäischen Bewegung Schleswig-Holstein nahmen die
drei OMAS GEGEN RECHTS Christiane, Renate und Ursula am 27. Mai teil am
„Generationen-Dialog“. Die Europäische Bewegung SH hatte Schülerinnen
und Schüler der 12. Jahrgangsstufe der Toni-Jensen-Gemeinschaftsschule
und VertreterInnen der älteren Generation – hierfür standen unter
anderem wir OMAS – ins Forum für Baukultur, Kiel, zu Gesprächen über
unser aller Blick auf Europa eingeladen.

Unter der Überschrift „Europa – selbstverständlich?“ ging es konkret um
die vier Themen Sicherheit und Verteidigung, Soziales, Werte und
Demokratie sowie Kultur. Als bereichernd empfanden wir Omas insbesondere
die reflektierten Beiträge der SchülerInnen, für die Europa weit
überwiegend „selbstverständlich“ geworden ist. Besonders positiv wurde
bewertet, dass sich die Europäische Union zu Frieden, Freiheit,
Demokratie und Menschenrechten bekennt.

Die Haltung der Jugendlichen hat uns OMAS GEGEN RECHTS Mut gemacht in
unserem Engagement gegen den zunehmenden Rechtspopulismus nicht nur in
Deutschland. Wir danken der Europäischen Bewegung SH für die Einladung!