Abstand aus Solidarität – Kieler Omas sagen Demonstration ab

Liebe Omas gegen Rechts in Kiel ,

wir haben beschlossen ,unsere Jubiläumsfeier zu verschieben und ein Signal zu senden, indem wir unsere Teilnahme an der Gegendemo am 12.12.20 am Schiffahrtsmuseum absagen!

Wir haben einen Text verfasst, der an euch gerichtet ist und der dann bei der Anfangskundgebung durch ein Mitglied des Runden Tisches als Grußwort der Omas verlesen werden soll.

Seit 2 Jahren gibt es nun uns Omas gegen Rechts in Kiel. Seit 2 Jahren setzen wir uns mit Euch allen zusammen für Menschlichkeit, für Frieden und Abrüstung, für eine gerechte Teilhabe aller Menschen ein. Wir haben dabei von Euch viel Zuspruch und Solidarität erfahren. Gern hätten wir mit Euch gefeiert und uns auch heute mit Euch zusammen der Demonstration der selbsternannten Querdenker entgegengestellt.
Schweren Herzens müssen wir unsere geplante Zusammenkunft auf der Reventlouwiese absagen. Die Corona-Infektionszahlen schießen nun auch in Schleswig-Holstein in die Höhe. Ein umfassender Stillstand des öffentlichen Lebens mit Schließungen im Einzelhandel und weiteren Kontaktverboten steht unmittelbar bevor.
Wir hatten für unsere Zusammenkunft und für die Teilnahme an der Demonstration und den Kundgebungen ein Konzept erarbeitet, das den erforderlichen Abstand gewährleistet hätte, sind jedoch nach eingehenden Beratungen zu dem Schluss gekommen, dass unser Auftreten als Gruppe in dieser Situation ein völlig falsches Signal wäre.
Wir sind traurig, unseren 2. Jahrestag nicht miteinander begehen zu können – wir werden aber weiter mit Euch allen zusammen gegen alte und neue Nazis , gegen Militarismus, gegen Querdenker, Verschwörungstheoretiker, Rassisten, Antisemiten und alle, die Hass schüren und andere von gesellschaftlicher Teilhabe ausschließen wollen, arbeiten. Wir sind zuversichtlich, dass unsere Arbeit auch weiterhin erfolgreich und sinnvoll sein wird, und dass wir unseren 3. Jahrestag – so hoffen wir – miteinander begehen können.
Uns allen haben die letzten Monate viel abverlangt. Manchen schlagen die vielen Einschränkungen wegen Corona nur auf’s Gemüt, für andere bedeuten sie Einsamkeit und Gewalt, für manche gar eine Gefährdung ihrer Existenz.
Wie unter einem Mikroskop zeigt die Pandemie den Zustand unserer Gesellschaft:
Wir sehen ein Gesundheitswesen, das überlastet ist. Privatisierung und Profitinteressen bedeuten, dass ein großer Teil der Beschäftigten im Gesundheitswesen ihre schwere, verantwortungsvolle und unverzichtbare Arbeit weiterhin am unteren Ende der Einkommensskala leisten müssen. Der Applaus aus dem Frühjahr ist verklungen, und die Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen sind eher schlechter geworden als vorher.
Wir sehen eine Bildungsinfrastruktur mit schlecht bezahlten und überlasteten Erzieher*innen in den Kitas, mit maroden Schulgebäuden, zu großen Klassen, zu wenigen Lehrkräften, einem Bildungssystem, in dem noch immer die soziale Herkunft über die Bildungs- und Lebenschancen entscheidet.
Wir sehen einen tiefen Mangel an sozialer Absicherung bei Solo-Selbständigen, bei Künstler*innen, bei Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen.
Klimawandel, Digitalisierung, soziale Schieflagen in kapitalistischen Gesellschaften , Hetze und Lüge in sozialen Netzwerken. Die Liste der Herausforderungen, vor denen wir – nicht nur in Deutschland – stehen, ist schier endlos.
Und was geschieht?
Während wir gebannt auf das Treiben bei den Querdenkerdemos starren, werden Milliarden von Euro an die Automobilindustrie verschenkt,
im Zuge zunehmender Militarisierung der Gesellschaft wird ein Wehrdienst zu Schnäppchenbedingungen unter dem pathetischen Titel „Mein Jahr für Deutschland“ ohne vernehmbaren Protest eingeführt.
Der Verteidigungshaushalt ist trotz Corona-Krise um mehr als eine Milliarde Euro im Vergleich zum Vorjahr gewachsen, an der Privatisierung des Gesundheitswesens wird nicht gerüttelt, ausbeuterische Arbeitsverhältnisse werden weiterhin geduldet,
das Elend in den Flüchtlingslagern an den Grenzen Europas wird nur zum Anlass genommen, die Aufnahme Schutzbedürftiger zu vermeiden, um nur die paar Beispiele zu nennen.
Wir können die Menschen verstehen, die um ihre Existenz fürchten, die Frustration von Menschen , die seit Monaten nicht mehr ihren Berufen nachgehen können,
die unter ihrer Isolation oder unter allzu beengten Wohnverhältnissen leiden.
Sie verdienen Solidarität und Unterstützung !
Aber finden sie diese auf Querdenker Demos?
Bei Leuten, die sich in einer Diktatur wähnen, weil sie mit Maske shoppen müssen?
Die die Verbrechen der Faschisten verharmlosen?
Die das eigene Bedürfnis nach Konsum, nach Feiern und Reisen über die Rücksichtnahme gegenüber anderen Menschen stellen?
Die mit der schwarz-weiß-roten Reichsflagge herumlaufen und unsere Demokratie verächtlich machen und abschaffen wollen?
Muss man wirklich mit Nazis gemeinsame Sache machen?
Eindeutig: Nein! Das muss man nicht !
Es gibt viel zu tun und viel zu verbessern – das haben wir in den letzten Monaten allzu deutlich gesehen aber Querdenken hilft nicht weiter:
Die notwendigen Veränderungen fordern Arbeit und Wissen und eine Haltung, die die Würde eines jeden Menschen bewahren will.
Also, anstatt bei Querdenker Demos mitzulaufen:
Engagiert Euch in Gewerkschaften , in der Friedensbewegung, in einer der unzähligen anderen demokratischen Gruppen, die daran arbeiten, unser Gemeinwesen gerecht zu gestalten, meinetwegen auch in einer demokratischen Partei – aber lauft nicht den Rattenfängern hinterher. Die haben keine Lösungen im Angebot, nur diffuse Verschwörungstheorien, Egoismus und Hass – nichts, was uns als Gesellschaft weiterbringt.
Bleibt zu Hause, gebt auf euch acht und habt trotz aller Umstände und Widernisse eine gesegnete Weihnachtszeit!
Euer ORGA-Team

Aufruf zur Demonstration am 12.12.20 um 11:30 Ihr

 

Da wir in Kiel mit einer sehr großen DEMO rechnen müssen, wäre es sehr wichtig, ganz viele Gegendemonstranten zu mobilisieren. Wir brauchen Jede/n , die / der sich den Querdenkern entgegenstellt !

Für den 12. Dezember hat die Initiative „Querdenken _431“ zu einer Demonstration in Kiel aufgerufen. Inzwischen nennt sich diese Gruppe „Kiel steht auf“ – diese Losung haben die Verantwortlichen in Nazimanier von der Kieler Gewerkschaftsbewegung geklaut („Kiel steht auf – für eine solidarische Stadt“ war eine DGB-Losung gegen Arbeitsplatzabbau, unter dieser Losung wurde auch an die Novemberrevolution von 1918 erinnert). Geändert hat sich dadurch gar nichts:
Diese Initiative ist Teil einer bundesweiten Bewegung, deren antidemokratischer Charakter auf Demonstrationen in vielen Städten wie in Stuttgart und Berlin deutlich zutage getreten ist. Eine Bewegung, in der faschistische Gruppierungen wie NPD und „Der III. Weg“ ebenso mitwirken wie die AfD und in der Antisemit:innen häufig den Ton angeben. Auf deren Tribünen sich Jugendliche mit Anne Frank oder Sophie Scholl vergleichen dürfen, weil sie eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen müssen und zurzeit keine großen Partys feiern können. Diese Bewegung verdient keine Unterstützung. Sie muss bekämpft werden.
Bereits auf einer Demonstration gegen „Querdenken Kiel“ im September 2020 hat ein Redner des Runden Tisches gegen Rassismus und Faschismus festgestellt: „Die Aufmärsche der Coronaleugner:innen und Anhänger:innen von Verschwörungstheorien, die offen sind für Faschist:innen und Antisemit:innen aller Art, sind Demonstrationen gegen Solidarität und Menschlichkeit. Sie sind es schon deshalb, weil sie gegen die wirksame Bekämpfung einer gefährlichen Pandemie gerichtet sind und das Leben vieler Menschen aufs Spiel setzen.“ Hier marschieren sogar Leute mit, die den Tod der gesundheitlich weniger Widerstandsfähigen im Sinne einer „natürlichen Auslese“ ausdrücklich billigend in Kauf nehmen. Weiter heißt es in dem Beitrag:
„Demokratie stirbt nicht, wenn wir einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Demokratie stirbt, wenn wir den Einfluss von Nationalismus, Faschismus und Rassismus auf politische Entscheidungen nicht mit aller Macht zurückdrängen und zunichte machen. Demokratie stirbt auch, wenn wir zulassen, dass unter dem Deckmantel der Anti-Corona-Maßnahmen die Entrechtung und die Verarmung breiter Bevölkerungskreise weiter vorangetrieben werden. (…) Wir brauchen die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohn- und Personalausgleich, eine Erhöhung der Rentenleistungen und ein früheres Renteneintrittsalter und vieles mehr wie ein Ende von Leiharbeit und Werkverträgen und wirkungsvolle Maßnahmen zur Beendigung von Jugend- und Altersarmut. Wir brauchen keine Milliarden für Großkonzerne, für weitere Aufrüstung und Rüstungsproduktion.“
Auf vielen Feldern des gesellschaftlichen Lebens wird der Kampf gegen menschenfeindliche Bestrebungen ausgetragen. Besonders die Notwendigkeit einer besseren finanziellen und personellen Ausstattung des gesamten Gesundheitswesens ist in den vergangenen Monaten wohl allen Menschen klar geworden. Viele dürften auch begriffen haben, dass es absolut krank ist, das Gesundheitswesen dem Streben privater Konzerne nach Profitmaximierung zu unterwerfen. Es gehört, wie die gesamte Daseinsversorge, zu der auch das Recht auf Wohnraum zählt, in öffentliche Hand!
Es gibt viele Gründe, mit den Verordnungen des „Corona-Kabinetts“ unzufrieden zu sein. Wir treten allen Versuchen entgegen, die Rechte der Parlamente bei der Beschlussfassung über geeignete Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie auszuhebeln. Wir, Antifaschist:innen, Gewerkschafter:innen, Menschen vieler Mutterländer aus unterschiedlichen Bereichen der Gesellschaft in Deutschland, verteidigen die Demokratie, indem wir auch unter Corona-Bedingungen öffentlich für unsere sozialen und demokratischen Rechte, für internationale Solidarität im Kampf gegen Rassismus, gegen Abschottungs- und Kriegspolitik, für den Schutz von Geflüchteten usw. auf die Straße gehen und dabei den rechten Rattenfängern die rote Karte zeigen.
Wir fordern von den politischen Entscheidungsträger:innen, unseren Anliegen Rechnung zu tragen.
Lasst uns in diesem Sinne auch am 12.12.2020 gemeinsam auf die Straße gehen!

Auch Preetz hat jetzt Omas gegen Rechts

Preetz, nur wenige Kilometer südöstlich von Kiel gelegen und mit cirka 16.000 Einwohner*innen die größte Stadt des Kreises Plön hat seit gestern eine eigene Gruppe von Omas gegen Rechts.

Auf Facebook ist die Gruppe unter dem Link https://www.facebook.com/groups/omasgegenrechts.preetz zu finden. Interessierte können sich dort anmelden.  Ansonsten gibt es die Neuigkeiten aus Preetz hier auf der Kieler Homepage; Kontakt könnt Ihr auch über die bekannte e-mail Adresse  Omas-gegen.rechts-Kiel@t-online.de  aufnehmen.

Wir gratulieren den Preetzer*innen und freuen uns auf viele gemeinsame Aktionen in Kiel oder in der charmanten Schusterstadt Preetz.

Omas gegen Rechts im Kieler Express

Der Kieler Express ist ein Anzeigenblatt, das am Wochenende mit einer Auflage von über 200.000 Exemplaren in Kiel und Umgebung kostenlos verteilt wird.

Der Kieler Express ist auch online zu lesen:

https://www.kielerexpress-online.de/

Nach der Verleihung des Paul-Spiegel-Preises führte Jan Köster vom Kieler Express per Telefon ein Interview mit uns, das am Sonnabend, 28.11.20 erschienen ist:

Wenn Weisheit laut wird

Die frisch ausgezeichneten „Omas gegen Rechts“ sind auch im Kieler Raum aktiv

Kiel. Sie haben was gegen strikte Hierarchien und erst recht was gegen jede Form von Antisemitismus, Faschismus, Rassismus und Frauenfeindlichkeit: Seit ein paar Jahren machen die „Omas gegen Rechts“ bundesweit den Mund auf, wenn es darum geht, die Demokratie zu verteidigen und sich für zum Teil mühsam erkämpfte soziale Standards einzusetzen. Jetzt hat der Zentralrat der Juden in Deutschland die bundesweite Initiative „Omas gegen Rechts“ mit dem Paul-Spiegel-Preis für Zivilcourage ausgezeichnet. Der Preis ist nach dem langjährigen Präsidenten des Zentralrats benannt und soll Menschen ehren, die sich im Sinne einer Bürgergesellschaft engagieren und Zivilcourage zeigen.

„Das ist eine große Ehre und eine große Freude und ein Ansporn weiterzumachen“, sagt Marion Förster von den Kieler „Omas gegen Rechts“. Sie selbst ist 66 Jahre alt und damit guter Durchschnitt: „Die meisten sind zwischen 60 und 70 Jahre alt“, sagt sie. Entstanden ist die Initiative 2017 als Facebook-Gruppe in Wien, 2018 kam die erste Facebook-Gruppe in Deutschland dazu. Feste Strukturen gibt es nicht, die „Omas gegen Rechts“ sind kein Verein und keine Partei. Wenn es etwas zu entscheiden gibt, können über die sozialen Medien alle mitreden – bei den Omas herrscht Basisdemokratie. Feste Ämter gibt es auch nicht, trotzdem finden sich überall Personen, die sich wie Marion Förster zum Beispiel um die Webseiten kümmern oder Journalisten die Arbeit und die Ziele der Initiative erklären. Rund 250 Personen umfasst der Kreis der Kieler „Omas gegen Rechts“. Zuletzt waren sie Ende Oktober bei der Anti-Nazi-Demo in Heikendorf dabei und erst vor wenigen Tagen auf dem Bahide-Arslan-Platz in Kiel-Gaarden beim Gedenken an die Opfer des Möllner Brandanschlags vor 28 Jahren. Und die Omas setzen sich für Benachteiligte ein: Bei einem Hof-Flohmarkt in Wendtorf sammelten sie beispielsweise vor wenigen Wochen 2000 Euro für den Verein „Hempels“.

Um eine „Oma gegen Rechts“ zu sein, muss man übrigens keine Oma im biologischen Sinn sein – auch Opas und sogar Enkel können „Omas“ sein, das ist eine Frage der Geisteshaltung, wie Marion Förster erklärt. Viele sind durch die linksgerichteten, gesellschaftskritischen Proteste der 1960er-Jahre beeinflusst, andere engagieren sich schon sehr lange in der Frauenbewegung. Gleichberechtigung und gegenseitiger Respekt sind die großen Ziele, egal ob zwischen Geschlechtern oder sozialen Gruppen oder Ethnien. „Und wenn dann eine blaugefärbte Partei versucht, die Zeit zurückzudrehen, dann ist das schmerzlich“, stellt Marion Förster fest. Als eine der großen Stärken der „Omas gegen Rechts“ sieht sie deren meist große Lebenserfahrung, die sie große Zeiträume überblicken lässt: „Das prädestiniert uns dafür, Fehlentwicklungen zu erkennen.“ kst

Wer mehr wissen will, findet die „Omas gegen Rechts“ auf Facebook oder www.omasgegenrechts-kiel.de

 

 

 

Ratschläge für Zivilcourage

Ich möchte Euch auf einen interessanten Artikel im Neuen Deutschland aufmerksam machen

https://www.neues-deutschland.de/…/1144964.gemeinsam…

und auf das Handbuch der Zivilcourage, herausgegeben vom brandenburgischen Aktionsbündnis gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit:

www.aktionsbuendnis-brandenburg.de/ produkt/handbuch-zivilgesellschaft

Das 100 Seiten starke Handbuch, das Ihr Euch kostenlos im Internet runterladen könnt, gibt wichtige Anregungen für die Arbeit gegen rechte Meinungsmache und für die Auseinandersetzung mit ausgrenzenden Haltungen.

Wie wollen wir leben?

Liebe Omas,
das folgende Thesenpapier soll als Diskussionsgrundlage dienen und die
Gruppen dabei unterstützen,  Schwerpunkte für ihre politische Arbeit zu
finden, die über die bloße Reaktion auf Querdenker und ihre politische
Zerstörungsarbeit hinausgehen.

Unsere Demokratie können wir nur erhalten, wenn wir unsere Vorstellungen einbringen,wenn wir  konstruktive Kritik üben und daran mitwirken, gesellschaftliche Fehlentwicklungen zu korrigieren. Unter keinen Umständen dürfen wir den  Hildmanns, Gaulands und von Storchsund auch nicht den Merzens die  politische Debatte überlassen. Also, lasst uns darüber reden, zu  welchen Themen wir uns als Omas gegen Rechts äußern wollen. Wir freuen uns über Euer Feedback über unsere Kontaktadresse  Omas-gegen.rechts-Kiel@t-online.de.

 

Wie wollen wir leben? Diese Frage ist die Überschrift der ARD-Themenwoche: Die öffentlich-rechtlichen Funk- und Fernsehanstalten beleuchten aus verschiedenen Perspektiven gesellschaftliche Fragestellungen. Die Frage, wie wir leben wollen, sollte auch uns beschäftigen. Wir verwenden viel zu viel Energie darauf, den Quer- und Schiefdenkern, den Schwurblern und Verschwörungsheinis hinterher zu laufen.

Klimawandel, Digitalisierung, soziale Schieflagen in kapitalistisch organisierten Gesellschaften, Kommunikation, Wahrheit und Lüge in sozialen Netzwerken: Die Liste der Herausforderungen, vor denen wir stehen, ist schier endlos.

Omas gegen Rechts – was bedeutet das? Heißt das, dass wir nur gegen Rechtsextremismus, gegen Antisemitismus und Rassismus arbeiten? Wo fängt für uns „Rechts“ an? Für welche Fragen fühlen wir uns als Bündnis zuständig? Zu welchen Themen wollen wir Stellung beziehen?

Das massive Auftreten der Querdenker, Corona-Leugner und Verschwörungstheoretiker führt zu einer politisch unmöglichen Situation: Haben wir bisher politisches Handeln kritisch begleitet, gegen soziale Ungerechtigkeit protestiert, demokratische Beschlüsse gegen Lobbyinteressen verteidigt, finden wir uns neuerdings in der ungewohnten Position wieder, die Regierenden gegen Angriffe von Rechtsaußen in Schutz zu nehmen.

Während wir gebannt und voll Entsetzen auf das Treiben bei Querdenkerdemos starren, werden Milliarden von Euros an die Automobilindustrie verschenkt, im Zuge zunehmender Militarisierung der Gesellschaft wird das „Jahr für Deutschland“ ohne vernehmbaren Protest eingeführt, an der Privatisierung des Gesundheitswesens wird nicht gerüttelt; ausbeuterische Arbeitsverhältnisse werden weiterhin geduldet, um nur die paar Beispiele zu nennen, die spontan einfallen. Und was tun wir? Richtig, große Demonstrationen sind in Zeiten der Pandemie keine Option, jedenfalls nicht für uns. Treffen und Diskutieren? Können wir auch auf absehbare Zeit vergessen.

Die gute Nachricht ist jedoch: Das Internet ist schon erfunden! Wir können uns online zusammenschließen, wir können in unseren Gruppen Frageaktionen starten, die Antworten auswerten und daraus Thesenpapiere und Forderungskataloge ableiten, mit denen wir an die Öffentlichkeit gehen. Wir sind eine politische Gruppierung, die sich gegen politische Vorstellungen von rechts richtet. Und dazu gehört nicht nur der grölende Neonazi mit Hakenkreuztattoo oder der altersstarrsinnige Herr mit der Reichskriegsflagge – nein, dazu gehören alle politischen Kräfte, die anderen Menschen Teilhabe und Chancengleichheit verwehren – sei es wegen ihrer ethnischen, geografischen oder sozialen Herkunft, ihres Geschlechts, ihrer Religion, ihrer sexuellen Orientierung.

Wie wollen wir leben? Letztlich ist es diese Frage, die die meisten von uns umtreibt und uns dazu bringt, uns politisch zu engagieren. Lass uns endlich wieder eine politische Arbeit aufnehmen, die darauf ausgerichtet ist, Leben und Zukunft zu gestalten.

 

Gegen Gewalt an Frauen

Am 25. November ist der Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt  gegen Frauen, auch „Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen“ .

In Kiel findet in der 3. Novemberwoche traditionell die Aktion „Gewalt kommt nicht in die Tüte“ statt; in diesem Jahr natürlich wegen der Pandemie etwas reduziert: Es werden keine Tüten in Einkaufszentren verteilt; die Brötchentüten mit dem entsprechenden Aufdruck gibt es aber in den Bäckereien, die an der Aktion teilnehmen.

Auf eine besondere Veranstaltung möchten wir an dieser Stelle hinweisen:

Gottesdienst gegen Gewalt an Frauen am 30.11.2020

Zeichen gegen Gewalt an Frauen

Am Montag, 30. November um 18 Uhr lädt das Frauenwerk Altholstein zu einem Gottesdienst gegen Gewalt an Frauen in die Kieler St. Nikolaikirche am Alten Markt ein. Es geht darum, ein Zeichen gegen Gewalt zu setzen und sich solidarisch zu zeigen.

Unter der Überschrift „Was hattest Du an?“ wird das Phänomen des ‚Victim blaming‘ thematisiert, bei dem Opfern eine Mitschuld unterstellt wird. Für diesen Gottesdienst kooperiert das Frauenwerk Altholstein mit der Künstlerin Emely Egerland. Die Kielerin plant eine Ausstellung, bei der exemplarisch Kleidung gezeigt werden soll, die Vergewaltigungsopfer getragen haben könnten.

Die Besucherinnen und Besucher können im Gottesdienst eine Kerze entzünden. Außerdem gibt es Musik unplugged mit Gitarre, Querflöte und Gesang.

 

Kundgebung zum 28. Jahrestag der Morde von Mölln

Gestern, am 23.11.2020 versammelten wir uns mit ca. 100 anderen Menschen um am Bahide-Arslan-Platz der Mordanschläge von Mölln zu gedenken. Es gab interessante und bewegende Redebeiträge u.a. vom Stadtpräsidenten Hans-Werner-Tovar, Victoria Ladyshenki von der Jüdischen Gemeinde Kiel, Ralf Schlotter vom Landesverband der Sinti und Roma, Hans-Ulrich Stangen von der IG Metall, eine Vertreterin der Antifa-Initiative. Von Ibrahim Arslan, dem Enkel der ermordeten Bahide Arslan, gab es eine Videobotschaft, eine Grußbotschaft von Cebel Kücükkaraca.

Norbert Aust, Leiter des Werftparktheaters, bereicherte die Kundgebung mit literarischen Zitaten.Auch wir Omas gegen rechts waren präsent und wurden wie immer freundlich begrüßt.

 

P.S. Im oberen Bild sind unsere neuen „Corona gerechten“ Banner zu sehen, von denen noch mehr in Arbeit sind.  Die werden wir am 12.  Dezember gut gebrauchen können! Details folgen!